Pferde verknüpfen Lob gezielt mit Aktionen

Jeder Mensch weiß sehr gut, wie sich Lob anfühlt. Und manch einer wünschte sich viel mehr Lobe für Tätigkeiten im alltäglichen Leben. Es fühlt sich freundlich, liebevoll und vor allem extrem wertschätzend an. Es löst Glücksgefühle und starkes Wohlbefinden aus. Schenken Sie diese Emotionalität auch Ihrem Pferd mit wohlwollendem Loben, so oft es geht.

Loben Sie Ihr Pferd bewusst?

Für eine gesunde Kommunikation mit dem Pferd ist es extrem wichtig, dass das Pferd respektvoll und fair behandelt wird. Das korrekte und faire Lob zeigt dem Tier, dass es mit Verständnis rechnen kann. Es hilft ihm, Vertrauen gegenüber dem Menschen aufzubauen. Pferde sind intelligente Lebewesen mit einem individuellen Charakter. Deshalb ist es von großer Bedeutung, eine Beziehung mit ihnen aufzubauen. Mit Hilfe des passenden Lob-Puzzles versteht das Tier den Menschen besser. So kann es motivierter und vertrauensvoller mitarbeiten.

Darüber hinaus kommuniziert es angepasst auf seine eigene Art und Weise. Beispielsweise haben faire und gezielte Lobaussprüche einen deutlichen Effekt auf das Pferdeverhalten: Der Liebling fühlt sich ermutigt und wiederholt diejenige Aktion, die gelobt wurde – falls diese zu seiner Natur passt.

Wunsch-Verhalten verstärken

Es gibt mehrere Arten zu loben, die sich in ihrer Ausführung und Wirkung voneinander unterscheiden. Besonders wichtig ist, dass der Mensch sein Pferd nicht durch ständige Korrekturen unter Druck setzt. Wirkungsvoller ist es, mit gut bedachtem Lob erwünschte Verhaltensweisen positiv zu unterstreichen. Mancherorts wird gelehrt, es dem Pferd unangenehm zu machen, bis es etwas verstanden hat. Lob – in mündlicher oder physischer Form – ist jedoch der bessere Weg als mittels demotivierender negativer Verstärkungen das Pferd zu etwas zwingen zu wollen.

Die Lob-Faustregel

Neue Bewegungsabläufe, Lektionen oder Qualitäten sollten kleinschrittig vermittelt werden. Nach möglichst jedem Erfolg ist dann eine kleine Belohnung angebracht. Es ist wesentlich, dass das Pferd versteht, was es richtig gemacht hat. Dies kostet zu Beginn etwas mehr Zeitaufwand, aber die Geduld zahlt sich aus. Das Loben kann man erlernen. Die Faustregel ist, dass das Lob nicht einfach unbedacht erteilt werden sollte. Im passenden Moment und nach einer richtigen Handlung eingesetzt (beispielsweise bei korrekt umgesetztem Schritt)  bewirkt es Wunder.

Marker und positive Gefühle

Wohlgesinnte Lobe stellen Markersignale dar, die bestimmte erwünschte Verhaltensweisen eines Tieres durch eine attraktive Belohnung markieren. Sie erwecken aber auch positive Gefühle in dem Pferd. Diese Fairness wiederspiegelt sich dann im Pferdeverhalten.

Das Berührungslob

Als fühlende Lebewesen beherbergen Pferde tiefe Emotionen in sich. Szenen, in denen diese zum Ausdruck kommen kennen wir beispielsweise auch aus Filmen oder Dokumentationen. Gezielte, liebevolle Berührungen oder Streicheleinheiten am Kopf, Hals oder Rücken wird der Hengst oder die Stute als deutliches Dankeschön einstufen. Und weil ein Pferd freundlich und ergeben in seiner Natur ist, wird es versuchen, dem Menschen ebenfalls eine Freude zu bereiten. Folglich wird das Pferd diejenige Handlung, die den Menschen zufriedenstellt, gerne wiederholen.

Verlaufslob & Lobwort

Das Verlaufslob bzw. das Keep Going Signal ist ein Stimmlob als Methode, die man einsetzt, wenn das Pferd motiviert ist und sich bemüht. Es dient zur Aufrechterhaltung der Motivation in der gerade ausgeführten Handlung. Ein schätzendes und würdigendes „gut so“ oder „weiter so“ bringt Zufriedenheit in Ausdruck und Ausführung. Beim Verlaufslob soll das Tier im Unterschied zu den anderen Stimmloben (Lobwort oder Click) nicht mit dem, was es gerade tut, aufhören.

 

Beim Click oder definierten Lobwort weiß das Pferd sofort, dass bspw. Futterlob oder ein Pausenlob folgt. Oftmals ist es schwierig für das Pferd, klar zwischen dem Lobwort und dem Verlaufslob zu unterscheiden. Deshalb bleiben viele Pferde stehen, wenn ihre Besitzer ein Verlaufslob aussprechen. Als Lösung sollte man sich ein oder wenige Lobwörter aussuchen und nur diese mit bspw. Futterlob kombinieren. Solche Lobwörter könnten „toll“ oder „prima“ sein. Immer wenn das Tier dieses Lobwort hört, weiß es dann, dass es seine Aufgabe erledigt hat.

Verlaufslobe kann man so viele verwenden wie man möchte. Diese sind sozusagen für den Weg gedacht. Das Lobwort ist die aktive Belohnung mit einem Futterlob, mit einem Pausieren in der Ausführung der Lektion oder mit einem Pausenstop.

Einsatz in der Praxis

Das Lobwort muss nicht mit Futter kombiniert werden. Es gibt auch Pferde, die Futter als anerkennendes Lob nicht zu schätzen wissen. Anstelle des Futters kann hier auch ein gezieltes Streicheln mit dem Lobwort als spezifische Kombination eingesetzt werden.

So, wie es unterschiedliche Pferdetypen oder -rassen gibt, existieren auch unterschiedliche Pferdepersönlichkeiten. Die Emotionen und der Intellekt können von Pferd zu Pferd erheblich variieren. Deshalb ist es wichtig, dass der Mensch sein Pferd genau beobachtet und lernt, welche Art des Lobes tatsächlich belohnend wirkt und motiviert.

Loben kann man nie zu viel. Ein Lob kann sowohl während als auch nach der Aufgabe - einzeln oder in Kombination mit anderen Lobweisen - erfolgen. Es sollte nur so ausgeklügelt werden, dass das Pferd klar versteht, wofür es gelobt wird. Das Loben sollte gleichermaßen vom Boden als und vom Sattel aus eingesetzt werden. So bleibt die Kommunikation stimmig.

Respektvolles Miteinander

Pferde sind als Herdentiere auf verständliche Kommunikation angewiesen. Mit Lob können sie Vertrauen fassen, um motiviert gefallen zu wollen. Pferdemenschen, die das Tier respektvoll und mit Verständnis behandeln, werden schnell herausfinden, welches Loben am besten ankommt und gut tut. Dieses kann jederzeit angepasst werden, um die Interaktion mit dem Pferd kontinuierlich zu verfeinern.

 

Von Dragana Zirkel

Don Dexter Therapy